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Página 2 de 2 Die Spätzle-SageAuch hier bei den Spätzle kommt eine alte Sage ins Spiel: Die abenteuerliche Geschichte von einem Trupp tapferer Schwaben taucht zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf und geistert in verschiedenen poetischen Abwandlungen durch die volkstümliche Literatur. Die zunächst neun Schwaben werden zu sieben in der Komödie "Die Hasenjagd", die Sebastian Sailer, Kapitular des Prämonstratenserklosters Obermarchtal, in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Mundart verfasste und aufführen ließ. Bei ihm tritt außer einem Knöpfleschwab noch ein Suppenschwab auf. Im Stück kommt zwar auch ein Allgäuer vor, Sailer zählt ihn aber nicht zur Truppe - sonst wären es nämlich acht Personen. Die sieben Burschen sollen verschiedene Regionen des Schwabenlandes charakterisieren. Allerdings schwankt die Sage weiterhin stark in ihrer Darstellungsform, sowohl was die einzelnen "Schwaben" und deren Herkunft betrifft als auch in Bezug auf deren abenteuerliche Erlebnisse. Der große Volksdichter Ludwig Aurbacher schrieb dann auf Sebastian Sailers Darstellung aufbauend 1827 die Geschichte von den sieben Schwaben in der uns allen bekannten Version. Er vereinigt in der Person des Knöpfleschwabs den Suppen- und den Spätzleschwab. Den Allgäuer nimmt Aurbacher in die Truppe auf. In dichterischer Freiheit erzählt er die Abenteuer, die seine sieben Schwaben auf ihrem Zug gegen das Ungeheuer am Bodensee bestehen mussten. Illustriert wurden die verschiedenen Ausgaben seiner Erzählung von Moritz von Schwind und von Ludwig Richter. Ich will versuchen, in der Geschichte das Augenmerk mehr auf den Knöpfle- oder Spätzleschwab zu lenken. Bei Sailers Knöpfleschwab sind wir aufgrund der Formulierung sicher, dass hier die Knöpfle mehr Klößleform hatten, denn er lässt den Knöpfleschwab sagen, dass er mit "an baar Dutzat Knöpfle vorliab neamma däd". Allerdings kannte ja der oberschwäbische Katholik Sailer auch nur Knöpfle. Wie Aurbachers Knöpfle- oder Spätzleschwab diese Mehlspeise formte, wissen wir nicht. Karl Lerch behauptet in seinem "Spätzle-Brevier", zu Aurbachers Zeiten seien Knöpfle und Spätzle immer noch mit dem Löffel geformt worden. Außerdem stammt auch Aurbacher aus Oberschwaben. Er wuchs in Türkheim in Bayrisch-Schwaben auf und wurde im Kloster Ottobeuren zum Ordensmann erzogen. Sowohl Ludwig Richter als auch Moritz von Schwind zeichneten immer verhältnismäßig dicke Klößle in die Schüsseln des Knöpfle- und Spätzleschwabs. Michel Buck schreibt 1872 in seinem Aufsatz über den Schwank von den sieben Schwaben: ,Der ... am frühesten bekannte der ehrlichen Schwaben ist der Knöpfleschwab ... In der Schweiz, in Oberschwaben, Lechschwaben und im Elsass heißen die Mehlklößchen Knöpfle, Knöpfli, in Niederschwaben Spätzle. Neben den Suppen aller Namen sind diese Knöpflen oder Spätzle das Leibessen der Schwaben ..." Buck will den Knöpfleschwab schon im 14. Jahrhundert in der Wolfenbüttler Handschrift im Codex des Sachsenspiegel erkannt haben, wo die vier Hauptstämme des deutschen Volkes abgebildet sind: nämlich Bayer, Sachse, Franke und Schwabe, der angeblich einen Knöpflelöffel in der Hand hält. So recht wollen wir heute diese Sachsenspiegelidee nicht mehr glauben. Doch was wissen wir sicher? Ludwig Aurbacher war schon längst aus dem Orden ausgetreten, als er "Die sieben Schwaben" schrieb und lebte als Erzieher und Lehrer in Ulm, wo ja die Spätzle auch herkommen sollen. Könnte man sich nicht vorstellen, dass gerade der Spätzleschwab auf seinem Marsch durchs Land einen Beitrag zur Entstehung einer fein geschabten Spätzlekultur geleistet hat? Dass gerade er den Löffel weglegte und zum Brettle und Messer griff?
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Die Spätzle-Sage